Die Tour zu den acht Ortsfeuerwehren

16 Jun von Sascha

Die Tour zu den acht Ortsfeuerwehren

Einige haben es letzten Samstag auf Facebook und Instagram bereits verfolgen können.

Der Gemeindebrandmeister, Torsten Schattschneider und seine Stellvertretung, Holger Dwehus hatten mich eingeladen, alle acht Ortsfeuerwehren der Gemeinde Ovelgönne zu besuchen. Vorab, fiel auch gleich die Frage, ob ich denn ein E-Fahrrad hätte. Ganz mutig sagte ich: Nö! Glücklicherweise, bin ich umgeschwenkt und hatte mir dann ein Fahrrad organisiert. Mein Nachbar lieh mir sein Fahrrad. Bei den gefühlten 120 km/h Gegenwind (so in etwa) war das ein Segen.

Bild von der Gemeindefeuerwehr Ovelgönne

Als ich um 10 Uhr bei der Feuerwehr Ovelgönne eintraf, empfingen mich Torsten und Holger. Anwesend waren auch Vertreter der Politik Carsten Osterlohn (CDU), Kerstin Seeland (SPD), Carsten Meiners (Grüne), Gerold Hauerken (FDP) und Heiko Ideler (UWO). Aber auch der Ortsbrandmeister Alexander Scheermann, der stellvertretenden Ortsbrandmeister Udo Heinemann, sowie Pressewartin Eske Schattschneider waren anwesend. Eske war dann auch die Social Media-Guide. Das Gebäude der Ortsfeuerwehr ist in einem denkmalgeschützten Ensemble im Burgdorf Ovelgönne und hat so auch seinen Status, immer präsent zu sein für die Menschen im Ort. Allerdings bietet allein schon die Tatsache, dass beide Einsatzwagen in Ovelgönne hintereinander stehen schon viel Diskussionsbedarf. Braucht man den zweiten Wagen, muss der erste Wagen rausgefahren werden. Kommen die ehrenamtlichen Feuerwehrleute zum Einsatz müssen sie irgendwo im Ort parken. Einige (zum Glück wenige) im Ort haben dafür dann aber kein Verständnis, dass vielleicht das Auto einer Einsatzkraft irgendwo steht. Daher wurde über die Notwendigkeit eines Neubaus der Ortsfeuerwehr Ovelgönne gesprochen.

Anschließend fuhren wir zur Ortsfeuerwehr Frieschenmoor. Dort trafen wir dann auch auf den Ortsbrandmeister Ralf Vollers, den Gruppenführer Holger Brand und den Atemschutzwart Claas Vollers. Wenn man sich genau umsieht, sieht man die Feuerwehr im Wandel der Zeit. In etwa dreißig Meter Entfernung ein Feuerwehrhaus von 1933, neben der jetzigen Feuerwehr das alte Feuerwehrgebäude und direkt neben dem Dorfgemeinschaftshaus das neue Gebäude. Und man mag es kaum glaube, ein Feuerwehrhaus, dass vollständig durch Eigenleistung gebaut worden ist. Ein solcher Umfang an ehrenamtlichen Einsatz ist kaum angemessen zu bewerten. Im älteren Feuerwehrhaus steht dann auch das Boot für die Kreisfeuerwehrbereitschaft. Dieses Boot ist ein Hinweis darauf, dass die Feuerwehr unbedingt in allem geübt sein muss. Spricht man davon, dass dieses Boot nur ein oder zwei Mal im Jahr im Einsatz ist, muss man im Hinterkopf haben, dass für diese ein bis zwei Einsätze Übungen stattfinden müssen. Für den Fall der Fälle, bei denen dann auch Menschenleben gerettet werden.

Weiter zur Ortsfeuerwehr Neustadt, wo uns Ortsbrandmeister Jürgen Hans und der stellvertretende Ortsbrandmeister Christian Meyer begrüßten. In Neustadt steht der Feuerwehrwagen in einem ehemaligen Klassenraum, berichtete Holger. Angrenzend an dem Feuerwehrhaus ist auch die Kindertagesstätte „Kastanienbaum“. Für die Kinder vermutlich ein immer wieder actionreicher Anblick, wenn die Feuerwehr ausrückt. Genau gegenüber dem Feuerwehrhause ist dann auch der Spielplatz der Kita. Jürgen und Christian vermuten, dass die Kinder aus der Kita zu einem sehr großen Anteil dann auch Teil der Feuerwehr werden. Die Ortsfeuerwehr Neustadt wurde 1923 gegründet und gilt als älteste Ortsfeuerwehr in der Gemeinde.

Angekommen bei der Ortsfeuerwehr Rüdershausen wurden wir dann mit einer Zwischenmahlzeit; Grillfleisch, Salat und Bratwürstchen begrüßt. Vielen Dank dafür!

Hier begrüßten uns neben dem Ortsbrandmeister Uwe Kuck auch sein Stellvertreter Ralf Hauerken, Gemeindepressewartin Ria Meinardus auch wieder einige politische Vertreter. Gleich ist mir aufgefallen, dass an der Seite des Feuerwehrhauses eine Fläche neu gepflastert wurde und hinter dem Gebäude eine Holzkonstruktion erbaut worden ist. Beim Holz hat zwar eine Firma geholfen, allerdings hat die Feuerwehr alles in Eigenleistung erbracht. Diese Überdachung ist dann auch für eine Netzersatzanlage des Landes Niedersachsen erbaut worden. Nimmt man das Verhältnis, scheint es so, dass die Ortsfeuerwehr Rüdershausen mit etwa 36 % den größten Anteil an weiblichen Feuerwehrkräften hat. Es kommt auch regelmäßig vor, dass stellv. Ortsbrandmeister Hauerken beim ersten Ausrücken der „Hahn“ im Korb ist.

Danach ging es dann weiter zur jüngsten Ortsfeuerwehr, wo wir vom Ortsbrandmeister Manfred Bunk begrüßt worden sind. Danke an seine Frau für das selbst gemachte Stück Kuchen. Erst 1943 gegründet, ist die Ortsfeuerwehr Salzendeich im sog. Straßendorf für die Leute in Salzendeich, Moorseite und auch Wolfstraße ein gesellschaftlicher Bezugspunkt. Hier wurde mir dann auch berichtet, wie so ein Feuerwehrwagen, der durchaus schon mal über 100.000 oder 200.000 Euro kosten kann. hergerichtet wird. Neben Karosserie und dem Aufbau wird die Ausstattung fast in detailreicher Kleinarbeit zusammen mit dem Hersteller erarbeitet. So ist es zum Beispiel mit dem Wagen der Ortsfeuerwehr Salzendeich möglich, eine 600 Meter lange Schlauchleitung auszurollen. Dies ist dann immer da erforderlich, wo keine ausreichende Löschwasserversorgung vorhanden ist.

Anschließend fuhren wir zur Ortsfeuerwehr Großenmeer, wo es (wie in Ovelgönne), die zweite Jugendfeuerwehr gibt. Dennis Janßen (Ortsbrandmeister) und Jann Rüther (stellv. Ortsbrandmeister) begrüßten uns und haben die Autos auf dem Vorplatz präsentiert. Es ist schon erstaunlich in welcher Zentimeter-Arbeit die Autos in die Garagen rückwärts zurückgefahren werden müssen. Auch hier ist der Versammlungsraum eigenhändig durch die Feuerwehren vergrößert worden. Spenden aus dem Ort – vom vorherigen Ortsbrandmeister Erwin Lampe organisiert – waren dabei mehr als hilfreich. Viele Entwicklungsmöglichkeiten einer weiteren Raumvergrößerung scheinen gar nicht möglich zu sein. Die Feuerwehr ist im Ort ansässig und auch in der Dorfgemeinschaft aktiv tätig und gut angenommen.

Als vorletzte Etappe ging es dann nach Oldenbrok, wo uns dann der Gerätewart Uwe Schellstede der Ortsfeuerwehr Oldenbrok empfing. Räumlich scheint die Ortsfeuerwehr Oldenbrok am besten dazustehen. Der Teufel steckt aber im Detail. Letztendlich ist die Feuerwehr froh, dass hier auch ein Fahrzeug aus dem erweiterten Bevölkerungsschutz-Programm des Bundes stationiert ist. Der ist zwar dann auch Bundesweit unterwegs, kann aber auch für örtliche Einsätze genutzt werden. Bei fast allen Ortsfeuerwehren kann man diese Türme sehen, die dann häufig keinen Nutzen mehr haben. So dienten sie dazu, dass die benutzen Schläuche im Turm hochgezogen worden sind, damit diese im Turm trocknen. Diese Aufgabe übernimmt inzwischen die Feuerwehrtechnische Zentrale des Landkreises Wesermarsch. In Oldenbrok ist dieser Feuerwehrturm denkmalgeschützt, weil er aus Holz ist. Für vorbeifahrende Leute ein Hingucker.

Zuletzt ging es dann zur Ortsfeuerwehr Popkenhöge, wo wir dann vom Ortsbrandmeister Stefan Schellstede und seinem Stellvertreter Tim von Thülen begrüßt worden sind. Auch eine kleine Ortsfeuerwehr, die sich aber dadurch ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet hat, indem sie die Kinderfeuerwehr der Gemeindefeuerwehr Ovelgönne führt. Vor Corona waren es 17 Kinder, die regelmäßig da waren. Man weiß jetzt noch nicht ganz genau, wie viele bald wieder kommen. Dieses Thema der Nachwuchsförderung im Ehrenamt ist elementar wichtig, wird aber auch gut angenommen. Die Kinderfeuerwehr wird dann auch kameradschaftlich mit Ausbildern von anderen Ortsfeuerwehren geleitet. Die Eltern, die dann auch aktiv sind und Kinder aus dem gesamten Gemeindegebiet bringen, haben schon intensiv nachgefragt, wann es denn wieder los geht.

Jede Feuerwehr hatte seine Spezialität und auch Herausforderung für die nahe Zukunft. Jede Feuerwehr ist erhaltenswert tun wichtiger Bestandteil jedes Ortsteils.

Während der Fahrt unterhielten wir uns über viele Themen, die die Feuerwehr betreffen. Die Tagesverfügbarkeit von Feuerwehrkräften ist in einer Gemeinde Ovelgönne schwierig umzusetzen. Viele ehrenamtlich Tätige sind beruflich außerhalb der Gemeinde tätig und können daher kaum während des Tages alarmiert werden. Die Einsatzwagen stehen alle in den Garagen, wo sich die Feuerwehrleute auch umziehen: Die Autos müssen rausgefahren werden, währenddessen riecht man schon die Autoabgase. Die sanitären Anlagen sind – genau, wie häufig auch die Versammlungsräume nicht mehr Up-to-date. Die Feuerwehrleute sind unheimlich motiviert und „brennen“ für die Feuerwehr, bzw. sie sind „Feuer & Flamme“ (ich weiß, blödes Wortspiel, mir fällt aber nix besseres ein). Mal eben so als ehrenamtlicher einsteigen, ist auch nicht so schnell möglich, weil es hier um Hilfeleistungen und Menschenrettung geht – und dies erfordert Lehrgang um Lehrgang, Andererseits sind Feuerwehrleute zu einem großen Anteil der Feuerwehr immer verbunden. Wir sprachen über die Funktion der Gemeindeverwaltung als Gefahrenabwehrbehörde und darüber, dass die Zusammenarbeit mit Verwaltung astrein ist. Die Feuerwehr ist froh, dass das Verhältnis so gut ist, wie es ist. Ich fuhr auf dem Bahndamm und sah noch mal ein paar Ecken in Ovelgönne, die ich noch nicht gesehen habe. Insgesamt waren wir beinahe 8 Stunden und über 57 Kilometer unterwegs.

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